Micron Document
____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|


The NomadNet German Wikipedia | Archives | Info
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b

🔍 Search

ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ

Totaler Fußball
──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────
top
Totaler Fußball ist ein Spielsystem im Fußball, bei dem auf jeder Position, die zuvor von einem Spieler verlassen wurde, ein anderer nachrĂŒckt. Dies fĂŒhrt dazu, dass alle zehn Feldspieler zusammen angreifen und alle zehn Feldspieler zusammen verteidigen. Kein Spieler muss auf seiner Anfangsposition bleiben, jeder kann nacheinander StĂŒrmer, Mittelfeldspieler oder Verteidiger sein. Das System erfordert von den Spielern ein hohes TaktikverstĂ€ndnis, um die entstehenden LĂŒcken schnell zu fĂŒllen – im besten Fall kann jeder Spieler auf jeder Position spielen. Außerdem wird den Spielern eine herausragende Technik und körperliche LeistungsfĂ€higkeit abverlangt.

Der Begriff Totaler Fußball wird im weiteren Sinne dazu verwendet, das effektive, dominierende Spiel der NiederlĂ€ndischen Nationalmannschaft um die beiden Spieler Johan Cruyff und Ruud Krol in den 1970er Jahren zu bezeichnen. Der taktische Gegenpart zum Totalen Fußball ist der italienische Catenaccio.

Contents

‱ Geschichte
‱ Literatur
‱ Siehe auch

──────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────────

Geschichte

Der Grundstein dieses Systems wurde von Jack Reynolds gelegt, der von 1915 bis 1949 Trainer bei Ajax Amsterdam war. Beim Training stand die Arbeit mit dem Ball im Mittelpunkt. Rinus Michels, der frĂŒher unter Reynolds gespielt hatte und spĂ€ter Trainer von Ajax und der niederlĂ€ndischen Nationalmannschaft wurde, definierte dieses Spielkonzept, das heute als „Totaler Fußball“ (niederlĂ€ndisch „Totaalvoetbal“) bekannt ist, neu.

In der Saison 1964–1965 war Vic Buckingham Trainer bei Ajax; er entdeckte den jungen John Cruyff als Talent und beförderte ihn in die erste Mannschaft; sein DebĂŒt gab Cruyff bei der 1:3-Niederlage gegen GVAV Groningen (seit 1971 FC Groningen).cite-ref-1[1] Bereits in seinem zweiten Spiel, gegen PSV Eindhoven, schoss Cruyff ein Tor.cite-ref-2[2] Das folgende Spiel gegen Feyenoord Rotterdam ging mit 9:4 verloren und nach einem Unentschieden in der Folgewoche war Ajax den AbstiegsrĂ€ngen nahe. Das Management verlor das Vertrauen in Vic Buckingham und forcierte am 21. Januar 1965 die Trennung.cite-ref-3[3]

Als neuer Trainer wurde der 36-jĂ€hrige Rinus Michels engagiert. Michels, ein Sportlehrer fĂŒr gehörlose Kinder, war ursprĂŒnglich nur engagiert worden, um das Mannschaftstraining an drei Abenden die Woche zu leiten. Der ehrgeizige Michels begann jedoch bald radikale Schritte, um den Verein zu professionalisieren.cite-ref-4[4] Michels legte Wert auf eiserne Disziplin und wurde von seinen Spielern bald „De Generaal“ (dt. Der General) genannt.cite-ref-5[5] Er fĂŒhrte Trainingslager ein und ließ die Spieler tĂ€glich drei Trainingseinheiten sowie abends noch ein Trainingsspiel absolvieren.cite-ref-6[6] Besonders Cruyff, der bereits in seiner Jugend zum Kettenraucher geworden war, hasste das rigide Training und versuchte oft, sich bei WaldlĂ€ufen zu verstecken. Michels unternahm schnell noch weitere Schritte in Sachen Professionalisierung. Viele Spieler waren Teilzeit- oder Hobbyspieler, die einen anderen (Haupt-)beruf hatten.cite-ref-7[7] Cruyff war bei einer Druckerei eine Art „MĂ€dchen fĂŒr alles“ gewesen.cite-ref-8[8] Michels unterband jede NebentĂ€tigkeit und machte aus den Spielern Profifußballer. Finanziert wurde dies von einer Reihe von Geldgebern, darunter sowohl Kollaborateure, die im Weltkrieg mit den deutschen Besatzern GeschĂ€fte gemacht hatten und ihren Namen nun reinwaschen wollten, als auch von jĂŒdischen GeschĂ€ftsleuten, die den Krieg ĂŒberlebt hatten und Ajax als Ersatzfamilie begriffen.cite-ref-9[9] Das Image von Ajax als einem Klub mit einem gewissen jĂŒdischen Flair war bereits seit langem ausgeprĂ€gt und wurde in nĂ€chsten Jahren von der Spielergeneration um Cruyff (eher auf symbolische und spielerische Weise) wiederholt betont.cite-ref-10[10] Diese ahistorische Stilisierung entwickelte vor allem ab den 1980er Jahren eine Eigendynamik, als auch die Fans des Klubs Ajax als den „jĂŒdischen Klub“ stilisierten und als Reaktion darauf Fans des großen Rivalen Feyenoord Rotterdam begannen, antisemitische SchmĂ€hrufe zu singen und in Inszenierungen auf den Holocaust anzuspielen. UrsprĂŒnglich als Symbol eines Fußball-Tribalismus gesehen,cite-ref-11[11] löste dies in den frĂŒhen 2000er Jahren in den Niederlanden eine gesellschaftliche Debatte aus.cite-ref-12[12]

Im Spiel legte Michels viel Wert auf aggressives Zweikampfverhalten und körperliche Dominanz, um dem Gegner den Schneid abzukaufen.cite-ref-13[13] Ajax etablierte auch das Pressing – intern bei Ajax immer das „Jagen“ genannt, mit dem Druck auf den im Ball befindlichen Gegner ausgeĂŒbt werden sollte.cite-ref-14[14]

Taktisch orientierte sich Michels zunĂ€chst am Gegner und wechselte variabel vom 5-3-2 zum 4-2-4. Ein SchlĂŒsselspiel in dieser Hinsicht war das Aufeinandertreffen mit AC Mailand im Finale des Europapokals der Landesmeister 1969, in dem Mailand die 4-2-4 spielende Ajax-Mannschaft deklassierte. Nach der Finalniederlage begann Michels, verdiente Spieler wie Klaas Nuninga und Theo van Duivenbode auszusortieren und junge Talente wie Gerrie MĂŒhren und Ruud Krol in die Startelf zu integrieren.cite-ref-15[15] In der Folgesaison wurde Ajax in der Liga bei einem wilden 3-3 gegen Feyenoord Rotterdam trotz eines guten Spiels im Mittelfeld förmlich ĂŒberrannt; danach nahm Michels auch eine Änderung am System vor und wechselte zum 4-3-3.cite-ref-16[16]

Neu war die Konzeption des Raumes auf dem Spielfeld, die bei Ajax auf eine ganz abstrakte, unverwechselbare Weise gedacht wurde. David Winner hebt hervor, dass diese einzigartig war und zieht den Schluss, dass diese Konzeption nur in den Niederlanden mit ihrem ganz anderen VerstĂ€ndnis fĂŒr die Gestaltung der Umgebung bzw. der Natur so entstehen konnte.cite-ref-17[17] Die Spieler um Cruyff machten das Spielfeld im Ballbesitz so groß wie möglich, indem sie das Spiel auf die FlĂŒgel verlagerten. Bei einem Ballverlust wurde der Raum dagegen möglichst klein gemacht, indem sie die Verteidigungsreihe kurz vor die Mittellinie hochschoben, in die gegnerische HĂ€lfte drĂ€ngten oder auf Abseits stellten, um den Raum noch weiter zu verengen.cite-ref-18[18] Dazu zeichnete Ajax sich durch stĂ€ndige Positionswechsel aus. Michels beanspruchte die Innovation der stĂ€ndigen Positionswechsel fĂŒr sich selbst; da Ajax in den spĂ€ten 1960ern die Gegner in der Eredivisie regelmĂ€ĂŸig dominierte, traf man immer mehr auf massierte Abwehrreihen. Um diesem Problem zu begegnen, habe er auch die Mittelfeldspieler und Abwehrspieler in den Angriff integrieren wollen, woraus sich die hĂ€ufigen Positionswechsel ergaben.cite-ref-19[19]

Obwohl Cruyff in der Sturmspitze spielte, tauchte er ĂŒberall auf dem Spielfeld auf, um das gegnerische Spielsystem zu stören, was in der dynamischen Spielweise des Totalen Fußballs ausgenutzt werden konnte. Seine Mannschaftskameraden richteten sich nach Cruyffs Laufwegen, um entstehende Löcher zu fĂŒllen, sodass jede taktische Position zu jedem Zeitpunkt besetzt war – aber nicht immer von derselben Person. „Ziel war es, den Platz bei Ballbesitz in seiner ganzen Breite zu nutzen [
] bzw. den Raum bei gegnerischem Ballbesitz eng zu machen.“cite-ref-20[20]

Die wichtigsten Voraussetzungen, die eine Mannschaft benötigte, um mit dieser Taktik effektiv spielen zu können, waren Geschwindigkeit und die FĂ€higkeit, das Spiel zu beschleunigen. Ajax-Verteidiger Barry Hulshoff stellt dar, wie der Verein 1971, 1972 und 1973 mit dieser Spielweise dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewinnen konnte: „Wir diskutierten nur ĂŒber Geschwindigkeit. Johan Cruyff redete stets davon, wohin die Spieler laufen, wo sie stehen und wann sie sich nicht bewegen sollten.“ Ajax spielte Pressing, was eine optimale Fitness erforderte. Durch kurze PĂ€sse sollte das Mittelfeld schnell ĂŒberbrĂŒckt werden. Alle Mannschaften innerhalb des Vereins folgten der gleichen Philosophie.

Den konstanten Positionswechsel der Spieler, der typisch fĂŒr den Totalen Fußball ist, gab es wegen der GrĂ¶ĂŸe des Spielfeldes. „Es ging um das Erzeugen von Geschwindigkeit, das Erreichen von Geschwindigkeit, das Organisieren von Geschwindigkeit – wie Architektur auf dem Fußballfeld“, erklĂ€rt Hulshoff. Die Taktik entwickelte sich evolutionĂ€r weiter und war stets das Produkt der Zusammenarbeit der Spieler, basierte niemals auf der alleinigen Arbeit von Michels, seinem Nachfolger Kovacs oder von Cruyff. Cruyff fasste sein VerstĂ€ndnis vom Totalen Fußball so zusammen: „Der einfache Fußball ist der schönste. Aber einfacher Fußball ist zugleich auch am schwersten.“

Nachdem Michels zum FC Barcelona gewechselt war, verfeinerte Ștefan KovĂĄcs bei Ajax das System ein weiteres Mal.

Das Finale des Europapokals der Landesmeister 1972 zeigt den Höhepunkt des Totalen Fußballs. Nach dem 2:0-Sieg von Ajax Amsterdam gegen Inter Mailand schrieben die Zeitungen in ganz Europa vom „Tod des Catenaccio und Triumph des Totalen Fußballs“. Die niederlĂ€ndische Tageszeitung Algemeen Dagblad titelte: „Inters System vernichtet. Die Zeit des defensiven Fußballs ist vorĂŒber.“

Michels wurde Bondscoach vor der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, die Nationalmannschaft bestand zum Großteil aus Spielern von Ajax Amsterdam und Feyenoord Rotterdam, aber auch der unbekannte und mit dem Totalen Fußball nicht vertraute Rob Rensenbrink, der vor allem im Nachbarland Belgien gespielt hatte, war dabei und fĂŒgte sich harmonisch in das System ein. Die Mannschaft der Niederlande konnte in der Zwischenrunde nacheinander Argentinien (4:0), die DDR (2:0) und Brasilien (2:0) besiegen, bevor sie im Finale auf den Gastgeber Deutschland traf.

Das Finale der Weltmeisterschaft 1974 wird oft als Kampf zwischen „Totalem Fußball“ und „Totaler Disziplin“ bezeichnet. Cruyff spielte den Ball an, und dieser kam ĂŒber 13 Stationen innerhalb der hollĂ€ndischen Mannschaft wieder zu Cruyff zurĂŒck, der sich der Manndeckung durch Berti Vogts entzog und erst von Uli Hoeneß mit einem Foul knapp außerhalb des deutschen Strafraums gestoppt werden konnte. Johan Neeskens verwandelte den umstrittenen Strafstoß, Holland fĂŒhrte nach 80 gespielten Sekunden 1:0, die Deutschen hatten keine einzige BallberĂŒhrung. In der zweiten Halbzeit wurden Cruyffs Versuche der Spielgestaltung durch Berti Vogts’ Manndeckung im Keim erstickt. Das dominierende deutsche Mittelfeld mit Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und Wolfgang Overath war die Basis fĂŒr den 2:1-Sieg Deutschlands.

Manchmal wird auch das vom Pech verfolgte „Wunderteam“ Österreichs aus den 1930ern als die erste Mannschaft, die den Totalen Fußball praktizierte, bezeichnet. Es ist kein Zufall, dass Ernst Happel, ein talentierter österreichischer Spieler der 1940er und 1950er, in den spĂ€ten 1960ern und frĂŒhen 1970ern in den Niederlanden als Trainer tĂ€tig war. Bei ADO Den Haag und Feyenoord Rotterdam vermittelte er eine revolutionĂ€r neue, mutige Spielweise, die es so in den Niederlanden noch nicht gab. Happel war bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978, die die Niederlande erneut als Vizeweltmeister beendete, Bondscoach.

Auch Ferenc PuskĂĄs, Star der legendĂ€ren ungarischen „goldenen Elf“, die zwischen 1950 und 1954 den Weltfußball dominierte, bezeichnet das damalige ungarische Spielkonzept als „totalen Fußball“.cite-ref-21[21]

Da das Spiel vor allem in den 1980er Jahren athletischer und taktikorientierter wurde, war die große Zeit des Totalen Fußballs weitestgehend vorbei. Schnellen Kontern und ballsicheren Viererketten war die lauf- und raumorientierte Taktik kaum gewachsen. Das System baute auf dem Prinzip auf, den Libero als freien Verteidiger hinter oder vor der Abwehr aus dem Spiel zu nehmen. Sobald eine Mannschaft ĂŒber wenige Anspielstationen im Gegenzug zielorientiert Flanken ĂŒber die Außenbahnen einbrachte, entstanden immer wieder LĂŒcken auf den zentralen Positionen. Die gewonnenen FreirĂ€ume fĂŒr die gegnerische Mannschaft hoben den Vorteil der geschlossenen Offensive auf, vor allem im spĂ€teren Verlauf eines Spiels, wenn durch nachlassende Konzentration oder Kondition LĂŒcken entstanden. Die deutsche Fußballnationalmannschaft nutzte dies im Finale der Weltmeisterschaft 1974 dementsprechend aus. In den 1990er Jahren erlebte der Totale Fußball ein kurzes Comeback bei Arsenal London unter Trainer ArsĂšne Wenger. Dies war aber eher eine bewusste, zeitweilige taktische Finte als eine dauerhafte Strategie.

Bekannte Mannschaften

Sowohl nationale Fußballvereine als auch Fußballnationalmannschaften praktizierten den Totalen Fußball.

Die niederlĂ€ndische sowie die österreichische Fußballnationalmannschaft spielten nach diesem System auf internationaler Ebene.

Auf nationaler Ebene kam die Strategie des Totalen Fußballs bei Ajax Amsterdam, FC Barcelona, FC Bayern MĂŒnchen, Galatasaray Istanbul sowie Arsenal London zur Anwendung. GeprĂ€gt durch Frank Rijkaard, wiederum einen NiederlĂ€nder, und seinen Nachfolger Pep Guardiola wird der Totale Fußball auch seit den 2000er Jahren wieder vom FC Barcelona und in der Folge auch von der spanischen Nationalmannschaft praktiziert, wobei sich dafĂŒr der moderne Begriff Tiki-Taka herausgebildet hat.

Literatur

‱ Dylan O’Connell: The Ajax Way: How One Football Club Defines the Modern Game. Pitch Publishing, Chichester 2024, ISBN 978-1-80150-705-9.
‱ Dietrich Schulze-Marmeling: Der König und sein Spiel. Johan Cruyff und der Weltfußball. Die Werkstatt, Göttingen 2012, ISBN 978-3-89533-845-8.
‱ David Winner: Oranje brillant. Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs, KIWI-Verlag, ISBN 978-3-462-03994-8

Siehe auch
Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 29.
cite-note-22. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 29 f.
cite-note-33. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 30.
cite-note-44. ↑ Dietrich Schulze-Marmeling: Der König und sein Spiel. Johan Cruyff und der Weltfußball. Die Werkstatt, Göttingen 2012. S. 77.
cite-note-55. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 34.
cite-note-66. ↑ Simon Kuper: Barca. Aufstieg und Fall des Klubs, der den modernen Fussball erfand, Edel Verlagsgruppe, Hamburg 2023, S. 64.
cite-note-77. ↑ Auke Kok: Johan Cruyff. Always on the Attack. Simon & Schuster, London 2022. S. 93.
cite-note-88. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 37.
cite-note-99. ↑ Simon Kuper: Barca. Aufstieg und Fall des Klubs, der den modernen Fussball erfand, Edel Verlagsgruppe, Hamburg 2023, S. 64 f.
cite-note-1010. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 299 ff.
cite-note-1111. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 301.
cite-note-1212. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 302 f.
cite-note-1313. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 222 f.
cite-note-1414. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 61 f.
cite-note-1515. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 57 f.
cite-note-1616. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 58 f.
cite-note-1717. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 71 ff.
cite-note-1818. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 71 f.
cite-note-1919. ↑ David Winner: Oranje brillant: Das neurotische Genie des hollĂ€ndischen Fußballs. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, S. 59 f.
cite-note-2020. ↑ Jonathan Wilson: Revolutionen auf dem Rasen – Eine Geschichte der Fußballtaktik, Göttingen, 2011
cite-note-2121. ↑ FIFA: The brains behind the Magical Magyars (Memento vom 17. MĂ€rz 2011 im Internet Archive), 26. April 2007